Lacklexikon

Die Automobilindustrie ist die wohl mit Abstand fortschrittlichste Industrie überhaupt. Hintergrund ist der hohe Prestige-Wert, den Automobile von Anbeginn an besitzen. Doch nicht nur Design, Technik und Karosseriematerialien sind von einer enormen Entwicklung geprägt.

Auch Autolacke sind seit jeher wahre High-Tech-Produkte. Das bedeutet aber auch Fachausdrücke ohne Ende. Der Lackierbetrieb spricht von 2-Komponenten-Lacken ebenso selbstverständlich wie von Acryllacken oder einer Ein-Schicht-Lackierung. Doch als Laie ist man schnell aufgeschmissen.

Daher haben wir nachfolgend für Sie die wichtigsten Begriffe rund um die Autolackierung zusammengefasst. Um alles auch in einen verständlichen zeitlichen Kontext zu stellen, zuerst ein Überblick über die wichtigsten Entwicklungen.

Warum sind Oldtimer eigentlich immer schwarz?

Von Henry Ford stammt der berühmte Satz „meine Kunden können ihren Ford T in jeder Farbe bestellen – solange es schwarz ist“. Aus heutiger Sicht klingt das etwas unverständlich, denn schließlich ist die individuelle Farbauswahl ein verkaufsförderndes Argument.

Doch einerseits war das nicht immer so, das musste die Automobilindustrie erst herausfinden. Zwar wurden viele Lackprodukte vornehmlich in Deutschland erfunden, doch eine individuelle Farblackierung gab es in der extrem erfolgreichen US-amerikanischen Automobilindustrie schon zu einem Zeitpunkt, wo hierzulande noch immer jedes Auto schwarz war.

Aus diesem Grund waren in den ersten Jahren der heranreifenden Autoindustrie auch in Europa Fahrzeuge aus den USA beliebter als einheimische Modelle.

Die Problematik von frühen Autolacken

Dass nun aber Henry Ford seine weltberühmte Thin Lizzy zunächst nur in der Farbe Schwarz anbot, hatte einen anderen Hintergrund. Die schwarzen Lacke trockneten schneller. Wobei „schnell“ ebenfalls nicht mit der Trocknungszeit moderner Lacke verglichen werden kann.

Der Trocknungsprozess dauerte einige Tage bis hin zu mehreren Wochen. Diese Lacke waren reine Naturprodukte und bestanden aus Leinöl, Terpentinöl und Harzen. Erst 1910 gelang die Erfindung eines Kunstharzlackes. Wegen des Ersten Weltkriegs konnte die Entwicklung aber nicht so schnell fortgesetzt werden. Deshalb blieben diese nun schon schneller trocknenden Lacke bis Mitte der 1920er.

Nitrolacke bestimmen lange die Industrie

In Deutschland waren es die „Chemischen Werke Albert“, die diesen Lack unter dem Markennamen Albertol produzierten und vertrieben. Dieser Markenname wurde ähnlich anderen Produktbezeichnungen von Firmen (beispielsweise die Tempo-Taschentücher oder die Flex) zum Synonym für Autolacke.

Mitte der 1920er kamen dann Nitrozellulose-Lacke auf. Diese waren nun deutlich schneller trocknend, mussten dafür aber zeitaufwendig poliert werden. Damit blieb die Lackierung immer noch ein deutlicher Kostenfaktor am Gesamtpreis eines Automobils. Sie wurden einige Jahre später von Alkydlacken abgelöst, die nun keine langwierigen Polituren mehr benötigten.

Die fortschrittlichen TPA-Lackierungen

Einen enormen Schritt nach vorne gelang mit thermoplastischen Autolacken (TPA). Diese Lacke trockneten genauso gut wie die bisherigen Nitrolacke, waren aber ein Ein-Komponenten-System. Außerdem können Lackrückstände schnell und einfach mit Lösungsmitteln entfernt werden. Dadurch ergaben sich mehrere Vorteile: in den Autofabriken konnten die Lackierstraßen schnell von einer zur nächsten Farbe umgestellt werden, da das Reinigen der Anlage wesentlich einfach war.

Gleichzeitig wurde kein kompliziertes Mischsystem wie bei den bisherigen 2-Komponenten-Systemen mehr benötigt. Die Fahrzeuge wurden lackiert, dann wurden Sie durch einen erhitzten Lackiertunnel gezogen. Unter dem Einfluss der Hitze verändert TPA-Lack seine Oberfläche und bekommt seine Festigkeit.

Außerdem standen die Autos in einem schönen Glanz da. Abgerundet wurde dieses Lacksystem durch seine Widerstandsfähigkeit gegen die typischen Umwelteinflüsse. Besonders Oberklassen- und Premiumautomobile wurden bis in die 1980er mit diesen thermoplastischen Autolacken lackiert.

Die 2-K-Acrylharzlacke der 1980er und 90er

Zu dieser Zeit kamen nun die 2-Komponenten-Acrylharz-Lacke auf. Sie trockneten noch schneller, außerdem boten sie nicht nur ausgezeichnete mechanische Widerstandskraft, auch chemische Einflüsse wie Lösungsmittel, Kraftstoffe oder Säuren konnten ausgetrockneten 2-K-Acryllacken nichts mehr anhaben. Dazu kommt ein hoch wirksamer UV-Schutz. Allerdings gab es beim UV-Schutz besonders bei den roten Farbpigmenten Probleme mit dauerhaften Schutz, weshalb rote Fahrzeuge aus dieser Zeit zum Ausbleichen neigen.

Moderne Lacksysteme: Pulverbeschichtungen und wasserlösliche Lacke

Ende der 1990er begann die Autoindustrie, Pulverlacke einzusetzen. Außerdem kommen seither Lacke zum Einsatz, deren Lösemittel organisch sind, also Wasser. Dieser Lack ist dabei die farbgebende Schicht. Die ist aber nicht sonderlich widerstandsfähig, weshalb sie mit einer Schutzlackierung überlackiert werden muss.

Dabei handelt es sich um einen lösemittelhaltigen Klarlack. Der Nachteil der wasserlöslichen Lacke ist die außerordentlich lange Trocknungszeit.

Das bedeutet, je länger der Lack nass ist, desto länger können sich Schmutz- und Staubpartikel darauf absetzen. Daher werden höchste Ansprüche an moderne Lackierkammern gestellt, die die Luft wirklich rein halten müssen. Das Argument der besseren Umweltverträglichkeit wird in diesem Zusammenhang immer wieder kritisiert. Zwar sind diese modernen Lacke nun tatsächlich umweltverträglicher, dafür ist aber der Energiebedarf erheblich gestiegen.

Die Besonderheiten beim Lackieren von Oldtimern und Veteranen

Beim Lackieren von Oldtimern ist außerdem noch etwas anderes zu berücksichtigen: ein Oldtimer erhält seinen hohen Wert in Zustandsnote 1 nur dann, wenn er absolut authentisch restauriert ist. Das bedeutet sogar, dass die ursprüngliche Lackierung wieder hergestellt werden muss. Nimmt man nun einen Vorkriegsveteranen, hat man es aber mit Nitrolacken zu tun, die auch giftige Schwermetalle enthalten und daher längst verboten sind.

Der Einsatz dieser Lacke wird daher auch nicht unbedingt bei einem H-Kennzeichen toleriert. Vielmehr muss das betreffende Fahrzeug einen kulturhistorisch hohen Wert nachweisen können. Das betrifft aber eher Museumsfahrzeuge, in den seltensten Fällen aber Automobile, die mit H-Kennzeichen ausgestattet werden sollen. Thermoplastische Autolacke dagegen können heute noch eingesetzt werden.

Lein- und Terpentin-Öl-Lacke

Die ersten Lacke, die beim Autobau verwendet wurden. Die Trocknungszeit kann mehrere Wochen betragen.

Kolophonium-Kunstharz-Lacke

In Deutschland unter der Bezeichnung „Albertol“ bekannt geworden. Einsatz ab circa 1910. Es handelt sich um einen öllöslichen Kunstharzlack, der immer noch viel Zeit zum Trocknen und Aushärten benötigt.

Nitrolacke (Nitratcellulose)

Mitte der 1920er kamen diese Lacke auf. Sie trockneten sehr schnell, mussten aber massiv nachpoliert werden, um ihren Glanz zu erhalten.

Thermoplastische Autolacke (TPA)

Anpassung der Oberflächenstruktur durch starkes Erhitzen. Der Lack härtet dabei aus und ergibt den typischen speckigen Glanz einer TPA-Lackierung. Aufgekommen in den 1950ern bis in die 1980er hinein hauptsächlich bei hochpreisigen Automobilen (Jaguar, Bentley, Rolls-Royce und zahlreichen US-Autos) verwendet.

Acrylharz-Lacke

Verwendet in den 1980ern und 90ern, benötigen diese 2-Komponenten-Lacke einen Härter. In der Regel wurden Isocyanat-Härter verwendet.

Wasserlösliche Lacke

Werden seit Ende der 1990er eingesetzt. Sie werden als 1-K-Lack und als 2-K-Lack angeboten.

1-Komponenten-Lacke (1-K-Lack)

In 1-K-Lacken sind Binde- und Lösemittel enthalten. Die Bindemittel werden dabei von den Lösemitteln auseinandergehalten. Wird der Lack aufgesprüht, verdunsten die Lösemittel und die Bindemittel verbinden sich und bilden ein zusammenhängendes Netzwerk. Dieser Prozess kann aber auch umgekehrt angewendet werden. Daher muss eine solche 1-K-Lackierung geschützt werden. Dabei wird aber dieser reversible Effekt ausgenutzt: wird der Decklack (Klarlack) aufgetragen, löst er den Basislack wieder an, die Bindemittel beider Lackschichten verbinden sich miteinander.

2-Komponenten-Lacke (2-K-Lack)

Auch 2-K-Lacke beinhalten Löse- und Bindemittel. Allerdings reagieren die Bindemittel ohne einen entsprechenden Härter – die zweite Komponente – nicht. Der Härter ist dabei exakt auf das Lackprodukt, also die Binde- und Lösemittel, abgestimmt. Wird nun der Härter beigemengt, reagieren die Bindemittel und bilden ein festes Molekülnetz. 2-K-Lackierungen sind nicht reversibel, also extrem beständig. Daher ist die Decklackschicht immer ein 2-K-Lack bei modernen Lackierungen.

Ein-Schicht-Lackierungen

Ein-Schicht-Lackierungen sind gleichzeitig 2-K-Lacke. Es können nur Uni-Farbtöne lackiert werden. Für Metallic-Lacke und andere Effektlacke wird immer eine 2-Schicht-Lackierung benötigt. Die Ein-Schicht-Lackierung ist weniger aufwendig, aber auch sehr empfindlich. Beim Polieren werden auch die Farbpigmente poliert, was zu deutlichen Polierspuren führen kann. Es sollten nur noch alte Autos, die ein letztes mal aufbereitet werden und Nutzfahrzeuge (Lkws, landwirtschaftliche- und Baufahrzeuge) mit einem 1-Schicht-System lackiert werden.

Zwei-Schicht-Lackierungen, Mehr-Schicht-Lackierungen

Die Zwei-Schicht-Lackierung besteht aus einem Basislack und einem Decklack. Der Basislack wird zunächst aufgetragen und ist in der Regel ein 1-K-Lack, weil er reversibel ist und sich mit dem Decklack verbinden kann. Es können auch mehrere Basislack-Schichten lackiert werden, um die verschiedensten Effekte zu erzielen. Der abschließende Decklack ist ein transparenter Klarlack und in der Regel ein 2-K-Lack.

Wird eine solche Lackierung lackiert, bleibt sich farbecht. Farbtiefe und Brillanz können wieder hergestellt werden, weil die darunter liegenden Basis-Lackschichten mit den Farbpigmenten nicht poliert werden. Dafür ist es eine aufwendige und damit kostspieligere Lackierung. Sie sollte bei hochwertigen und neuen Fahrzeugen sowie bei Oldtimern und Klassikern mit Sammler-Hintergrund angewandt werden. Eine Alternative zu Zwei-Schickt-Lackierungen kann das Folieren eines Autos sein.

Lackierwerkzeug und Lackierpistolen

Die Systeme zum Lackieren von Acrylharzlacken aus den 80ern und 90ern sind nicht kompatibel mit modernen Lackierwerkzeugen. Eine Autolackiererei, die alle Lackiertechniken anbietet, muss entsprechend für alle Systeme die Werkzeuge bereithalten.

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